Vorwort

Barden der Neuzeit

Wenn man sich heute die sogenannte „Neue Welt“ ansieht, fragt man sich, wohin sie führen wird.

Gedanken, Ängste über Weltfrieden, Unwetterkatastrophen, Natur, der moderne Mensch, die Zukunft des Menschen. Wie wird sie sein? Die Natur bäumt sich auf, der moderne Mensch endet unter Leistungsdruck und Zukunftsangst im „Burn out“ Syndrom. Ein nicht ganz so gesundes Lebensumfeld, denke ich. Doch wie geht es weiter? Wie werden wir mit unseren Ängsten vor der Zukunft fertig? Wie werden wir mit den damit verbundenen täglichen Gedanken fertig, die uns bis in die Nacht verfolgen? Wo ist unser heimatlicher Herd der Ruhe? Ist diese Ruhe heute eigentlich noch möglich? Oder bestimmt die alltägliche Unruhe unser Leben, kurz dass wir aus den Kindesschuhen entwachsen sind? Ist Leben in der ständigen Unruhe möglich, oder entfernen wir uns damit nur vom Leben?

Was ist Leben?
Einige leben für den Beruf, die Karriere, der Achtung von der Außenwelt, für Geld, Macht, oder leben um sich vom eigentlichen Leben abzulenken. Von all den Dingen, die uns eigentlich im Leben fehlen. Dinge, die wir nicht benennen wollen. Dinge, an die wir lieber nicht denken wollen, weil sie belasten würden. Dinge, die uns an unserem jetzigen Leben zweifeln lassen würden. Die Augen zu verschließen und sich in den sogenannten Alltagstrott fallen zu lassen, ist oft einfacher als die Augen zu öffnen und neue Landschaften des Lebens zu entdecken. Wie viel Mühe würde es bedeuten, sich selbst und das Leben, welches wir führen, zu hinterfragen. Neue Augen zu haben und Dinge an einem ganz normalen Tag zu entdecken, die ein ganz klein wenig mehr aus jedem Tag machen. Die Sonne zu sehen, die hinter den Wolken scheint. Nein, wir konzentrieren uns auf die Wolken an jedem Tag und vergessen, weit hinter die Wolken zu Blicken. Stress, Druck und jeglicher Alltag verdunkeln den Blick auf das, was eigentlich vor uns liegt.

Hier eröffnet sich die Frage für jeden und fordert eine ganz persönliche Entscheidung von uns!
Will ich neben mir selbst und all den Anderen daher leben, am Leben vorbei, oder möchte ich mit ein wenig Freude im Herzen all die kleinen Dinge im Leben wahrnehmen, die uns hinter all den Wolken verborgen bleiben. Dinge, die tagtäglich unser Herz, unser Innerstes erfreuen und uns für jeden Tag neu aufbauen können. Was ist falsch daran ein Ziel in der Schönheit des Lebens zu finden?

In einer Zeit, in der viele Menschen an den alltäglichen Anforderungen scheitern. Sich diesen Anforderungen nicht mehr gewachsen fühlen und sich in menschliche Ablenkungsmanöver wie Tablettensucht, Drogen, Spielsucht, Extrempartys und ähnliche Dinge flüchten, wird eigentlich ein Hilfeschrei hörbar. Ein Hilfeschrei, der sagt, dass wir das Leben nicht mehr verstehen können. Vom Leben entfernen? Ganz Abseits vom Lebenswillen IN uns, macht sich ein großes, unverständliches Fragezeichen breit. Doch haben wir gelernt mit diesem Fragezeichen umgehen zu können? Oder geben wir uns einfach nur hoffnungslos geschlagen und am Boden liegend?

Kaum aus den Kinderschuhen heraus haben wir gelernt zu funktionieren, zu bestehen, Aufgaben und Erwartungen zu erfüllen. Kann man all dieses tief in sich selbst nachvollziehen? Verstehen warum dies so ist? Stellen wir diese Erwartungen auch an uns selbst, aus tiefstem Herzen? Oder funktionieren wir nur, weil Andere es so wollen? Weil wir müssen? Wenn es so ist, wäre dies nicht einengend, LEBENsfeindlich? Ist es richtig an jedem Tag die Augen zu verschließen und einfach nur zu funktionieren, oder gibt es ein Danach?

In einer Zeit, in der der Glaube an all die neuen Werte langsam zerfällt und sich Fragen stellen, sehen immer mehr Menschen auf die alten Werte zurück. Ist der Mensch vielleicht zu modern geworden?  
Warum macht das moderne Leben den Menschen krank?  
Sollte der Mensch wirklich ALLES tun, wozu er in der Lage ist? Oder sollte er Eins sein, mit dem Boden auf dem er lebt? Die Natur benötigt den Menschen nicht, sie wird weiter leben – aber funktioniert das auch anders herum? Sollte der Mensch vielleicht einen Schritt zurückgehen und wieder nur Mensch sein? Wäre so ein Quantensprung überhaupt möglich?  

Die Zeit wandelt sich. Nicht alles was neu ist, ist unbedingt auch gut. Mittlerweile hinterfragt er, der Mensch. Fragt sich, in welche Richtung wir auf dem Fluss der Zeit schwimmen.  
In vergangener Zeit erzählten die Barden von den neuen Dingen in der Welt. All das was passiert ist – und all jenes, was noch passieren wird.  

Gibt es Barden in der modernen Zeit?  

Ja, es wird immer Menschen geben, die Dinge hinterfragen, in der Lage sind um die nächste Ecke zu blicken, sich „unverhüllte“ Gedanken zu machen und nach dem wahren Grund zu fragen. Getreu der alten Queste der Barden und Druiden in alter Zeit: „Die Wahrheit gegen die Welt“. Wobei das Wort Wahrheit in der modernen Welt eine vielschichtig auslegbare Rolle zukommt. Doch kann es letztendlich nicht nur eine, natürliche Wahrheit geben? Die Wahrheit eines kindlichen, unvorbelasteten Gedankens? Ohne Vorbehalt, ohne Einfluss von Außen, ohne Druck und Erwartungen. Der freie Blick im Sonnentau eines erfrischenden Morgens. Ein befreiender Blick auf das was IST und nicht auf das was sein sollte. Frei von jeglichem Druck. Können wir das noch?  

Dieses Buch ist kein Ratschlag Geber.  
Jeder von uns hat viele Dinge gesehen, tausende von Erfahrungen gemacht, Gute wie Schlechte.   

Wir sind bereits vom Leben vorgeformt und jeder reagiert und denkt über verschiedene Dinge grundverschieden. Daher kann jeder die gleiche Flamme im Leben sehen, aber sie unterschiedlich deuten, weil Erfahrungen auch die klare Sicht auf alles was vor einem liegt verblendet. Manchmal sieht man das Offensichtliche nicht einmal.

Dieses kleine Buch ist kein Ratgeber für den Ablauf des Lebens, doch möchte es Aufmerksam machen. Aufmerksam, auf all die kleinen Dinge, die Menschen in ihrer Alltäglichkeit übersehen und vergessen. Ich könnte jetzt sagen, dies und jenes ist wichtig. Aber in diesem Fall würde ich zum Lehrer, der sagt, was wichtig ist. Dieses Maße ich mir nicht an. Ist doch jedes Leben an eigene Erinnerungen und Erfahrungen geknüpft. 

Mein persönliches Interesse gilt dem Keltischen. Insbesondere der Lebens- und Denkweise. Die Sicht, wie man damals die Welt gesehen haben könnte. Mich hat vor allem immer ein alter Gedanke der Druiden interessiert, welcher die Lehrweise der damaligen „Schüler“ betitelt. Diesen konnte ich in meiner Sicht immer gut nachvollziehen. Dieser besagte, dass eine Erfahrung, das Wissen, nicht 1:1 weitergegeben werden kann. Sondern nur durch eigene Erfahrung, das ganz persönliche Wissen tief verinnerlicht werden kann. Was heißt, dass ein Mensch auf Ereignisse trifft, seine Erkenntnisse daraus zieht und diese durch sein eigenes Leben trägt. Diese Erfahrungen, kann niemand weitergeben oder erklären, es sind die persönlichsten Gedanken und Erinnerungen im Leben eines Menschen. DAS was uns ausmacht. Diese Erfahrungen sind unser Leben auf Erden, Unsere Zeit.

Ich stellte mir als junger Schreiberling vor, wie ein Barde aus der keltischen Zeit unser modernes Leben sehen würde. Was er denken würde, von unserer fortschrittlichen Zeit. Hat sie sich wirklich zum Besseren gewandelt? Oder leben wir einsamer und als größere Barbaren auf dieser Erde als je zuvor?

Dies sind Texte getreu der Art alter Druiden geschrieben. Auf das jeder Text ein Fragezeichen in den Köpfen des Lesers hinterlassen möge. Ein Fragezeichen, das eigene Leben noch einmal zu hinterfragen. Eigene Erkenntnisse zu finden und vielleicht neue Augen für diese, unsere Welt zu haben.

So schickte ich in meinen Texten den Barden Muirdín auf die Erde. Herausgerissen vom Lagerfeuer seiner Väter, hinfort von seiner zweiten Herzhälfte, in die Neue Zeit, um das Leben neu zu entdecken. 

Einsam und voller Gedanken um diese moderne Zeit, reitet er auf seinen treuen Gefährten durch die unwegsamen Landschaften des Lebens. Auf der Suche nach dem Leben und der vor langer Zeit verlorenen Herzhälfte. Verloren in einer Zeit, in der das Wort Herz noch eine ganz besondere Bedeutung hatte. Herz bedeute „heim kommen“ und sich mit der Ewigkeit verbinden.

Die folgenden Texte zeigen Momenteindrücke eines Besuchers aus einer vergangenen Zeit. Wie wird er das moderne Leben sehen? Was wird er finden? Was hält ihn hier und was treibt ihn fort?

Muirdín der Barde. Sein Name trägt Zeugnis zu dem, was ihn erschaffen hat.

 „muin“ der Weinstock aus der alten, keltischen Sage des Cad Godeu

„muir“ steht in der irischen Sprache für die „See“.

 „muinín“ steht im irischen für „Glaube und Vertrauen.“ 

„Myrddin“ der walisische Name „Merlins“

Machen Sie sich mit Muirdín auf eine Suche, in der unsichtbaren Welt der Gedanken.
Gedanken die entzweien, aber auch vereinen. Vielleicht eine Verbindung zwischen Vergangenheit und Zukunft schaffen. Eine Verbindung, zwischen den längst vergessenen eigenen Gedanken und den Erfahrungen der neuen Zeit. Einer Zeit, in der sich manch einer wie in einer fremden Welt fühlt.
Doch sollte diese Welt nicht unser Zuhause sein?

Begeben wir uns auf eine ganz persönliche Suche, einer Reise ins längst vergessene Ich.
In seinen Texten wird Muirdín Fragen stellen, es werden Fragezeichen auf den Stirnen des Lesers erscheinen. Aber Sinn der druidischen Lehrweise ist es nicht vorgefertigte Antworten zu geben, sondern Fragezeichen zu hinterlassen. Fragezeichen, die einen neuen Weg öffnen können. Einen Weg, sich selbst neu zu hinterfragen und seine Werte neu zu sortieren.

Wir haben nur diesen einen Boden auf dem wir leben. Wir haben vielleicht nur dieses eine Leben.
Sollten wir dieses nicht leben, statt gelebt zu werden?

Machen wir uns auf den Weg. Die Satteltaschen sind gepackt. Ein unendlich langer Weg vor den Augen. Meine treuen, zotteligen Weggefährten Stine und Murphy wiehern erwartungsvoll. So viele Wege haben wir hinter uns gebracht, doch eine Unendlichkeit scheint vor uns zu liegen. Auf den Weg in den undurchsichtigen Wäldern des Lebens. Was mag uns erwarten, werden wir jemals ankommen?    

Nun führt der Weg wieder durch unbekanntes und doch so vertrautes Gelände.
Der Blick in den Spiegel der Vergangenheit lässt mich frösteln.
Der Blick in die Zukunft tötet meine Hoffnungen.
Das Jetzt treibt mich fort - Gefangen in den Schlingen der Zeit.

Und so bin ich wieder auf der Suche,
in den tiefen, undurchsichtigen Landschaften des Lebens.
Auf der Suche nach Wahrheit
und der vor langer Zeit verstummten Stimme des Lebens.

In Erinnerung an den alten Weg.

Zeitreisender

Nichts kündigt ihn an.
Langsam näherte er sich dir, aus der Tiefe deines Daseins. Nie hast du ihn bemerkt, doch er war immer da - immer in deiner Nähe.
Immer bereit sich mit dir zu treffen und auf höchster Ebene, zu einer neuen Vision zu vereinen.
Er wohnte in deinem Hirn seit Anbeginn der Zeit. Er wartete in jeder Faser deines Körpers und hüllte dich ein mit seiner Gegenwart. Doch bewusst war er dir nie. Er hat sich entblättert und entkleidet in Anwesenheit deines Selbst. Doch du sahst nicht hin.
Er schlug verzweifelt an die Wände deines geliehenen Körpers. Doch du spürtest es nicht.
Er sprach zu dir, redete auf dich ein und schrie dich an, wenn es nötig war. Doch du hörtest nicht zu.
So verkleidete er sich und erschien in deinen Träumen!
Er nannte sich Sehnsucht,
er nannte sich Hoffnung,
er nannte sich Verzweiflung.
Du aber - drehtest dich um und schliefst weiter.
Nun verlor er seine Gelassenheit - und trat gegen dein Hirn, Du - betäubtest deine Kopfschmerzen mit irischem Whiskey.
Da gab er auf und ging fort, für immer!
Ein einsamer, rastloser Wanderer zwischen den Welten,
dein letzter Gedanke.

© by Muirdín (Michael Riedel) bei Brentano Gesellschaft (Frankfurter Bibliothek) erschienen.


Jede Reise hat ein Ende. Wenn der Geist offen genug ist, um das ganz persönliche Ziel zu erkennen, stellen sich sogenannte Dinge, wie Glück oder Schicksal ganz von selbst ein. Erzwingen kann man es nicht. Lediglich offen sein, für all die Eindrücke, die auf einen einfließen und daraus seinen ganz persönlichen Weg zu erkennen. Der ständige Wegbegleiter darin, ist die Hoffnung

Denn erst stirbt die Hoffnung – dann der Mensch. Was wäre der Mensch ohne Hoffnung?

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Erinnerungen, die leben. Manchmal stehen Erinnerungen dem neuen Morgen gegenüber und verhindern ein weiterkommen. Oft sind Erinnerungen schöner als der neue Tag. Erinnerungen können verbinden. Erinnerungen sollten aber nicht binden.

Und so gab ich dich frei, entließ dich aus meinen Erinnerungen, auf dass du einen neuen Weg gehen mögest. Das Herz sagte, es tut weh, doch das Leben sagte, bitte gehe.

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Du fragst, wie man sich selbst erkennt?

Einige haben keine Zeit danach zu suchen, andere laufen im Kreis, viele sind fast blind, manche schauen nicht genau hin, die Anderen entscheiden sich nicht oder neigen dazu den Wegweiser zu verfehlen, weil Wolken die Augen verschließen.

Es gibt Menschen, die tun es nie.

Du aber hast alle Möglichkeiten dieser Welt noch in der Hand.

Also warum schließt du nicht deine Augen und beginnst wirklich zu sehen?